systemische Sozialarbeit

systemische Sprachkonstruktionen für die praktische Arbeit

Es gibt nichts praktischeres, als eine gute Theorie.

Hier soll ein Buch entstehen, vielleicht auch nur ein Büchlein. Ich möchte darstellen, wie systemisches Denken die soziale Arbeit befruchten kann.

Systemisch denken kann man vielleicht gar nicht; genausowenig, wie man einmal in denselben Fluss steigen kann. Ich habe oft in meiner Arbeit im sozialen Feld Menschen mit systemischer Zusatzausbildung erlebt. Ich hatte meist den Eindruck, systemisches Denken wird lediglich als eine Erweiterung des eigenen Methodenkoffers betrachtet. Das funktioniert aber meines Erachtens nicht gut. Systemisches Denken ist etwas, dass nicht direkt bei einem Menschen, z.B. meinem Klienten ansetzt, sondern zwischen mehreren Menschen. Systemisches Denken ist u.a. Beziehungsarbeit (und noch viel viel mehr), und auch diese kann ich leider nicht einseitig „kontrollierend“ gestalten.

Objektivität ist die Selbsttäuschung eines Subjekts, dass es Beobachten ohne ein Subjekt geben könnte. Die Berufung auf Objektivität ist die Verweigerung der Verantwortung – daher auch ihre Beliebtheit.

Ernst von Glasersfeld, Erklärung der American Society for Cybernetics, in: ders., Radikaler Konstruktivismus, Frankfurt 1998, S. 238-244, S. 242

Ein Schwerpunkt wird die Konstruktion von Sprache sein. Sprache kreiert Realität, spiegelt sie wieder, erschafft sie gleichermaßen. In der Sprache erkennen wir die oft (un)systemischen Vorannahmen und können das Denken in Netzwerken, Kybernethik, Kreisläufen wiederum für unsere zieldienlichen Sprachmuster nutzbar machen.

Diese Ideen sollen für die Arbeitsaufträge der Sozialarbeit nutzbar gemacht werden. Diese Arbeitsaufträge können für Sozialarbeiter*innen selbst schon Hindernisse darstellen. Nimmt doch die sogenannte Auftragsklärung im systemischen Denken eine wichtige Rolle ein. Von wem bekommen wir Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagogen*innen eigentlich unsere Aufträge? Politik und Gesellschaft, Institution und Kostenträger, Klient*innen und Angehörige. Die hier thematisierten Fragestellungen werden uns mithilfe systemischer und kybernethischer Ideen zu einer humanistischen Ethik führen. -oder so-

Strukturelle Koppelung: Man setzt oder stellt sich gegenüber und legt die Handflächen aneinander. Dann spricht man sich ab, wer zuerst führt. Der Führende vollzieht kreisende Bewegungen mit den Händen, und der andere folgt diesen mit seinen. Irgendwann wechselt man die Führung; später spricht man sich nicht mehr ab, wer führt und wer folgt. Manchmal stellt sich ein automatisches Führen und Folgen ein – man ist strukturell gekoppelt. Spannend, nicht wahr?

Die Grundlagen aus den heraus ich diese Möglichkeiten entwickeln werde, entspringen eher den systemisch konstruktivistischen Ansätzen.

Im hier entstehenden Onlinebüchlein möchte ich einen Abriss des systemischen Denkens, bis hin in die Praxis der Sozialarbeit kreieren. Es soll für möglichst viele Menschen gut lesbar werden, ohne dass ich mit der Komplexitätsreduktion zu sehr übertreibe. Es wird also so etwas wie eine „Einführung in die systemische Sozialarbeit“, oder auch: „Systemische Sozialarbeit für Dummys“! Alles ist hier im entstehenden Fluss und auch das folgende Inhaltsverzeichnis wird sich im Verlaufe des Entstehens immer wieder verändern.

  1. Vorwort
  2. systemisches Denken
  3. hypnosystemisches Denken
  4. Kontext Sozialarbeit
  5. eine hypnosystemische Sozialarbeit
  6. Organisations- und Institutionskontexte
  7. Teamkontexte
  8. Klient_innenkontexte
  9. systemisch – Gesellschaft – Politik
  10. Auswirkungen

10.1 Fallbeispiele aus der gesetzlichen Betreuung
10.2 Fallbeispiele aus der Sozialpsychiatrie
10.3 unsystemisch = inhuman?

  1. Sprachkonstruktionen
    11.1 Sprache erzeugt „Wirk“lichkeit
    11.2 Sprache läßt „Wirk“lichkeit „ver“stehen
    11.3 Sprache: verbal, körperlich, verortet
    11.4 Sprache: zur Umdeutung gängiger Annahmen
    11.5 Sprache zur wertschätzenden Haltung sich selber gegenüber
    11.6 Sprache zur wertschätzenden und kreativen Teamarbeit

Zunächst: Falls irgendwer diese kleine Seite zufällig finden sollte und Interesse an einer Mitarbeiter, oder einem Austausch zu dieser Thematik hat, kann sich jederzeit bei mir gemeldet werden.